{"id":261,"date":"2017-07-30T10:52:55","date_gmt":"2017-07-30T10:52:55","guid":{"rendered":"http:\/\/kurthummel.com\/?page_id=261"},"modified":"2017-07-30T10:52:55","modified_gmt":"2017-07-30T10:52:55","slug":"interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kurthummel.com\/?page_id=261","title":{"rendered":"Interview"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eKopfkino\u201c und Fingerstyle<\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr ihn geh\u00f6rt eine Komposition und die Geschichte dahinter zusammen. Der Gitarrist Kurt Hummel ist \u201esp\u00e4t dran\u201c \u2013 umso mehr hat er zu erz\u00e4hlen. Er ist ein Komponist und Gitarrist, der mit seinen St\u00fccken ber\u00fchren und an andere Orte entf\u00fchren will.<\/strong><\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Man hat in der Gitarrenszene bisher wenig von dir geh\u00f6rt, in der letzten Zeit hast du aber diverse Gitarrenst\u00fccke ver\u00f6ffentlicht. Erz\u00e4hl mir etwas \u00fcber deinen Werdegang, deine musikalische Geschichte.<br \/>\n<em>KH:<\/em> Wie damals viele Jugendliche begann ich einer Sch\u00fclerband zu spielen, allerdings spielte ich Schlagzeug. W\u00e4hrend meines Studiums wurde dies zu meiner Einnahmequelle und wir spielten als Coverband vor allem in amerikanischen Milit\u00e4rclubs. Sp\u00e4ter dann spielten wir nur noch eigene Sachen mit englischen Texten, was aber dazu f\u00fchrte, dass nur noch wenige Auftritte mit diesem Programm m\u00f6glich waren. Parallel zum Spielen in der Band habe ich aber begonnen Gitarre zu lernen. Zuerst spielte ich eine 12-saitige Gitarre, vor allem Akkord-Strumming. Angeregt von der dann aufkommenden Folkwelle, mit Leuten wie z.B. Werner L\u00e4mmerhirt, bin ich zum Fingerstyle-Spiel gekommen. Damals entschied ich mich aber f\u00fcr die klassische Gitarre, die wegen der Nylonsaiten f\u00fcr mich leichter zu spielen war. Das Spiel in der Band gab ich mit Ende meines Studiums auf, mit der Gitarre habe ich aber weitergemacht, nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig engagiert, aber regelm\u00e4\u00dfig. W\u00e4hrend meiner Arbeit als Ingenieur, ich hatte Nachrichtentechnik studiert, ging das so ca. 4 Jahre weiter. Dann hatte ich irgendwie das Gef\u00fchl, das nicht mehr viel passiert, wenn ich nicht was ver\u00e4ndere. Ich k\u00fcndigte, nahm mein Gespartes und fuhr mit einem Freund, der \u00fcbrigens auch Gitarre spielte, im VW-Bus nach Griechenland. Der Freund fuhr nach einem halben Jahr wieder zur\u00fcck, ich blieb ungef\u00e4hr drei Jahre in Griechenland. In dieser Zeit besch\u00e4ftigte ich mich intensiv mit dem Gitarrenspiel. Anfangs spielte ich die Klassiker, wie z.B. Angie, Classical Gas oder den Entertainer-Rag nach, aber schon bald begann ich eigene St\u00fccke zu schreiben.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Hast du Gitarren- oder Musikunterricht genommen um die St\u00fccke aufzuschreiben?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Nein, ich meinte mit St\u00fccke schreiben nicht, dass ich sie wirklich aufgeschrieben habe, sondern nur, das ich sie selbst komponiert habe. Ich war immer Autodidakt, manchmal unter Zuhilfenahme von B\u00fcchern, Noten oder Tabs, wobei ich nie auch nur ansatzweise in der Lage war und auch immer noch nicht bin, vom Blatt zu spielen.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Hast du in deiner Zeit in Griechenland mit anderen Musikern zusammengespielt?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Ganz selten, ich war irgendwie ein Eigenbr\u00f6dler und Sessions z.B. auf Basis von Blueskadenzen waren mir ein Graus.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Wie ging es musikalisch nach deinem Griechenlandaufenthalt weiter?<br \/>\n<em>KH<\/em>: Noch \u00fcber Verbindungen aus meiner Bandzeit erfuhr ich, das Bekannte in Wiesbaden ein Tonstudio er\u00f6ffnet hatten und jemand suchten, der mitarbeitet. Da ich nicht zur\u00fcck in meine Ingenieurst\u00e4tigkeit wollte, nutzte ich die Gelegenheit und begann dort zu arbeiten. Es war ein kleines Studio und von klassischer Musik, Rock, Werbemusik bis hin zu H\u00f6rspielen und Kinderh\u00f6rspielen wurde alles aufgenommen. In dieser Zeit gelang es mir auch meine ersten Titel zu ver\u00f6ffentlichen, vor allem als Titel- und Hintergrundmusik von Kinderh\u00f6rspielen. Nach einigen Jahren im Studio entschied ich mich dann, das aufkommende Kleincomputerzeitalter nutzend, anzufangen Computerprogramme zu schreiben. Mittlerweile hatte ich einen Sohn, es kamen sp\u00e4ter noch zwei T\u00f6chter dazu. Ich zog aufs Land und verdiente mein Geld mit Programmierung. Ich spielte aber w\u00e4hrend der Zeit nebenbei immer noch regelm\u00e4\u00dfig Gitarre und schrieb eigene St\u00fccke. Bei einem Besuch auf Gomera motivierte mich ein Freund doch Gitarrensolost\u00fccke aufzunehmen. Er verband mit meinen Gitarrenst\u00fccken Reisen und Landschaften. Ich nahm also einige Demos auf und schickte diese an eine Firma, die Musik zum Vertonen von Filmen und Videos vertrieb. Es gefiel Ihnen und Sie bezahlten mir die Produktion einer CD und nahmen die Titel in den Verlag.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Ich wei\u00df, dass du andere Musik, also keine Gitarrenmusik, komponiert und aufgenommen hast.<br \/>\nKH: Ja, ich hatte durch meine Besch\u00e4ftigung mit dem Computer schon fr\u00fch die M\u00f6glichkeiten von digitalen Aufnahmen, Samples und Bearbeitungsm\u00f6glichkeiten erkannt und dann einige Jahre Musik auf dem Computer produziert. Das war ganz unterschiedliche Musik, aber immer mit Drums, Bass, Bl\u00e4sern, E-Gitarre usw. Viele dieser Titel konnte ich dann auch auf der Filmmusikschiene ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Hast du in dieser Zeit auch noch viel Gitarre gespielt?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Eben nicht mehr und ich hatte das Gef\u00fchl mehr mit dem Computer und seinen T\u00fccken, also neuer Hardware, Soundkarten, Treibern und Samples, besch\u00e4ftigt zu sein, als richtig Musik zu machen. Mir fehlte auch das Spielen eines richtigen Instruments und eines Tages beschloss ich mit der Produktion von Musik auf dem Computer aufzuh\u00f6ren. Heute benutze ich den Computer nur noch zum Schneiden und zum Erstellen von CD\u2019s . Selbst zum Aufnehmen meiner Gitarrenst\u00fccke benutze ich den Computer nicht mehr.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Mit was nimmst du deine St\u00fccke auf?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Fr\u00fcher hatte ich einen DAT-Recorder, heute benutze ich einen Recorder mit CF-Karten und dazu Kondensator-Mikrophone, au\u00dferdem habe ich noch einen 16-Spur Harddisk-Recorder, wenn mal mehr als 2 Spuren notwendig sind.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Du hast am Anfang davon gesprochen, dass du dich f\u00fcr die klassische Gitarre entschieden hast, eine deiner neueren CDs hei\u00dft aber \u201eWorld of Steel String Guitar\u201c.<br \/>\nKH: Ich fand vor ca.\u00a08 Jahren heraus, dass die Stahlsaitengitarre besser zu den meisten meiner St\u00fccke passt und im Moment spiele ich zu 90% die Stahlsaitengitarre.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Welche Gitarren spielst du?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Ich habe eine Vorliebe f\u00fcr japanische Gitarren aus den 60er und 70er Jahren. Seit 2012 spiele ich eine Hopf &#8222;Woodstock&#8220; Gitarre, das ist eine Stahlsaitengitarre, die mir Hopf f\u00fcr einen Auftritt auf der Musikmesse (acoustic stage) zur Verf\u00fcgung stellte und die ich im Moment fast ausschlie\u00dflich spiele.\u00a0Eine weitere Lieblingsgitarre ist eine Kasuga aus den 70ern, der Nachbau einer Martin-Gitarre. Ich hatte auch schon Gitarren von Lakewood und Maton, aber mit denen wurde ich nicht warm.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Ich habe gesehen, dass du auf dem Schlagschutz deiner Gitarren noch ein St\u00fcck Schaumgummi aufgeklebt hast. Wof\u00fcr ist das gut?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Ich benutze beim Spielen vor allem den Daumen und zwei Finger, selten nur die beiden anderen und lege die nicht benutzen Finger zum Abst\u00fctzen dort auf. Das fixiert die Finger und hat au\u00dferdem den Vorteil, dass meine Fingern\u00e4gel nicht auf dem Schlagschutz klappern.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Wir haben jetzt viel \u00fcber Geschichte und Technik gesprochen, lass uns zum Wesentlichen kommen, deiner Musik. Wenn ich mal was \u00fcber dich lese, ist immer die Rede von Reisen, Landschaften und Stimmungen. Was hat es damit auf sich?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Fast alle meiner Gitarrenst\u00fccke sind f\u00fcr mich fest mit Orten, Ereignissen und Stimmungen verbunden und auf Konzerten erz\u00e4hle ich auch immer etwas zu den St\u00fccken. Da ich ja nicht singe, aber trotzdem erreichen will, dass die Zuh\u00f6rer verstehen, was ich mit dem entsprechenden St\u00fcck beschreiben will, geh\u00f6rt Geschichte und Komposition zusammen.\u00a0 Das f\u00fchrt dazu, dass bei den Zuh\u00f6rern ein \u201eKopfkino\u201c abl\u00e4uft. Bei Konzerten beschreibe ich bei manchen meiner St\u00fccke sogar die musikalischen Themen, spiele sie an und erz\u00e4hle f\u00fcr was diese in der Geschichte stehen. Die Ideen zu den meisten meiner St\u00fccke entstehen auf Reisen, was dazu f\u00fchrt das in den Geschichten auch Orte vorkommen, deswegen vielleicht auch verbindet man meine Musik mit Reisen und Landschaften. Wenn ich an einem St\u00fcck arbeite, f\u00fcr das noch keine Geschichte oder ein zu beschreibendes Gef\u00fchl vorhanden ist, so werde ich, je weiter das St\u00fcck gedeiht, immer unruhiger. Ist es dann musikalisch fertig, so ist es aber nicht vortragbar, bis nicht ein Titel, und damit auch seine Geschichte fest steht. Es gab auch schon St\u00fccke, die deswegen einfach wieder verschwunden sind, ohne dass sie jemand geh\u00f6rt hat &#8211; au\u00dfer vielleicht meiner Familie, die einfach den Entstehungsprozess mitbekommen hat.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Wie merkst du dir deine St\u00fccke, du sagtest ja, du notierst deine St\u00fccke nicht.<br \/>\n<em>KH:<\/em> Das\u00a0war wirklich ein Problem. Ich nehme die St\u00fccke zwar auf, wenn ich\u00a0 sie aber lange Zeit nicht gespielt habe, h\u00e4tte ich sie mir fr\u00fcher aus den Aufnahmen wieder heraush\u00f6ren m\u00fcssen. Das tat ich aber nicht und somit sind sie f\u00fcr mich nicht mehr spielbar. Heute nehme ich die St\u00fccke auf Video auf und damit gelingt es mir meistens die St\u00fccke auch nach l\u00e4ngerer Zeit wieder zu rekonstruieren. In letzter Zeit habe ich ein paar St\u00fccke notiert, Tabs und Noten, aber das ist f\u00fcr mich sehr zeitaufwendig, weil ich eben wenig Erfahrung damit habe. Wenn ich dann die Noten jemand vorlege, der sich damit gut auskennt, kommen meist Kommentare wie \u201edas w\u00fcrde man anders notieren\u201c oder \u201eso ist das schlecht lesbar\u201c, was nat\u00fcrlich nicht gerade sehr motivierend ist.<\/p>\n<p><em>Rep.:<\/em> Arbeitest du viel mit alternativen Stimmungen?<br \/>\n<em>KH:<\/em> Nein, die meisten meiner St\u00fccke sind f\u00fcr eine normal gestimmte Gitarre geschrieben, ein paar aber auch f\u00fcr dropped-D Stimmung. Bei allen andern Stimmungen habe ich das Gef\u00fchl mich nicht mehr auf der Gitarre auszukennen, deswegen lasse ich es. Allerdings schreibe ich momentan an einigen St\u00fccken bei denen ich\u00a0verschiedene Partial-Kapodaster\u00a0in verschiedenen Lagen verwende, also welche, die nicht alle Saiten verk\u00fcrzen. Das hat zur Folge, dass die leeren Saiten einer alternativen Stimmung entsprechen, aber alle gegriffenen ihren Notenwert behalten und das ist f\u00fcr mich \u00fcberschaubar und bietet trotzdem neue M\u00f6glichkeiten und Voicings.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKopfkino\u201c und Fingerstyle F\u00fcr ihn geh\u00f6rt eine Komposition und die Geschichte dahinter zusammen. Der Gitarrist Kurt Hummel ist \u201esp\u00e4t dran\u201c \u2013 umso mehr hat er zu erz\u00e4hlen. Er ist ein Komponist und Gitarrist, der mit seinen St\u00fccken ber\u00fchren und an andere Orte entf\u00fchren will. 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